Donnerstag, 14. März 2013

"Urwald" in Österreich

Vor unserer Haustür

"Urwald" in Österreich

"Ein Wirrwarr aus Ästen, mit Moos überwucherte Böden, uralte Bäume: Ein neuer Bildband zeigt die wilde Seite Österreichs. Darin lotst ein Umweltaktivist Naturfans in unberührte Nationalparks - und in die letzten Urwälder des Landes."

"Die Natur ist chaotisch und anarchisch, sie hält sich nicht an unsere Regeln, sondern folgt ihren eigenen", sagt Schickhofer. Das ist es, was ihn reizt. Er liebt es, wenn sich riesige Altbäume über moosigen Bodenbewuchs erheben. Wenn nach einem Regen Nebel durch den Wald zieht. Und wenn es nach Moder, Rinde und Harz riecht. Die Düfte in einem Urwald seien nicht mit denen in den "meistens sehr artenarmen und monotonen Wirtschaftswäldern zu vergleichen", sagt Schickhofer."

"Für Wanderlustige, die noch einen echten Urwald erleben wollen, hat Schickhofer auch eine Empfehlung: Der Rothwald dürfe zwar nicht betreten werden. "Aber vom Gipfel des Dürrensteins kann man auf den struppigen Urwald hinunterschauen." Außerdem könne man an Exkursionen teilnehmen, die in die Kernzone des Wildnisgebietes führen."

http://www.spiegel.de/reise/europa/urwald-in-oesterreich-tipps-fuer-wanderungen-in-wilde-nationalparks-a-887509.html

Wie es die Francés beschrieben haben ..
In solchen Wäldern waren sie - auch in Europa - unterwegs.

Moose & Flechten

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Morsches, in Zersetzung befindliches Holz
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Stille Wasser
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Aus der Sicht der Humusmusbildung:

Welche ungeheure Mengen an Holz und Blättern werden hier, von den, von Menschen mit dem unbewaffneten Auge nie gesehenen Mikroorganismen,  die sich im Moos und stillen Wässern bereithalten, zu Humus verarbeitet.

Steht man dagegen vor den heutigen modernen Agrarwüsten: eine endlose, trockene, stinkende Ödnis.

Sie, die Betreiber und Nutznießer dieser Ackerödnis, also die meisten von uns Menschen,  wissen es nicht, daß sie noch immer von der Fruchbarkeitskraft der ursprünglichen Urwälder profitieren - selbst wenn sie heute garnicht mehr vorhanden sind - auch durch uns.

Sie wird auch heute noch gespeist durch den - auch im zeitlichen Sinne - entfernten Nachklang dieser Naturwälder, denn 30% des Edaphons befindet sich auf ständiger Weltreise: in der Luft zu Wasser und auf dem Land. Und es befindet sich in einer besonderen Form, der "Dauerform", die tatsächlich auch überdauern kann, möglicherweise Jahrhunderte, und so kann man sich auch noch heute der Humusarbeiter auf dem Acker erfreuen.

Auch bei mir vor der Haustür befindet sich ein wenig genutzter Wald und ich bin immer wieder erstaunt, von wieviel Moosen und Pilzen die modernden Baustämme und der Waldboden wie mit einem Teppich bedeckt werden.

Selig die, die schon morgen auf den Humus aus nackten Ackerflächen mit Holzkohle hoffen ..
Sie haben das Glück, daß ihnen unbemerkt das Edaphon (noch) zufliegt.

DAS EDAPHON AUF WELTREISE
http://humusresearch.blogspot.de/2013/01/das-edaphon-im-sturm.html

Annie France-Harrar, Die letzte Chance. Für eine Zukunft ohne Not

"Alles, was in Gestalt des Luftedaphons staubartig auf den Wald herabregnet, kommt ausschließlich im Detritus zur Ruhe, zur Fortpflanzung und Wirksamkeit." S. 560 pdf

"Eine mikrobielle Besamung aus der Atmosphäre ist durch das ständige Niederfallen des Luftedaphons gesichert." S. 304 pdf

"Die amerikanische Landwirtschaft hält lange Zahlentabellen bereit, aus welchen der außerordentliche Nutzen der Windbrechung durch solche Waldschneisen hervorgeht. (Dabei berücksichtigen sie den Wert der Auffangung des Luftedaphons vorderhand noch so gut wie gar nicht.)" S. 561 pdf

"Die Dreifelderwirtschaft konnte den Humusverbrauch durch Anbau und Ernte nicht ersetzen, denn was gibt sie in Wahrheit dazu? Eigentlich nur eine zeitweise Besamung mit Luftedaphon. Was zum Schluß eingepflügt wurde — und das Unkraut wurde keineswegs immer eingepflügt, sondern blieb oft genug stehen, wurde abgefressen oder abgebrannt —, genügte nicht, um die Zunahme an Bodenorganismen so zu ernähren, daß sie sich maximal vermehren konnten. Und alles zusammen, Tierexkremente, Einpflügung und Mikrobenzuwachs reichte nicht hin, um den Humusverbrauch zu decken." S. 566 pdf

Mehr:
S. 102, 154, 292, 311, 342, 378, 557,  648, pdf

Annie France-Harrar, Humus. Bodenleben und Fruchtbarkeit

 S. 119 pdf

Belton Sutherland: Blues #2 (1978)